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Tool 5.4: Formen der Zusammenarbeit

Betrachtet man die zuvor beschriebenen verschiedenen Charakteristika von Kooperationen und die unterschiedlichen Gründe, warum Unternehmen kooperieren, ergeben sich daraus typische Formen der internationalen Zusammenarbeit, die folgend näher beschrieben werden.

 

Kooperationsformen nach dem Zweck der Zusammenarbeit

Das gemeinsame Verständnis des Kooperationszwecks und darauf aufbauend die gewählte Form der Kooperation stellt einen essentiellen Erfolgsfaktor dar. Gerade bei internationalen Kooperationen wird die Bildung grenzüberschreitender Organisationsstrukturen durch die unterschiedlichen Rechtslagen erschwert, daher bleiben die Kooperationen von KMUs häufig auf einer wenig verbindlichen Stufe. Wichtig ist allerdings, dass die Partner, die zur Erreichung der Ziele am besten passende Form finden. Sei es durch die Gründung eines gemeinsamen Unternehmens oder den informellen Know-how Transfer in Erfahrungsaustauschgruppen. Durch die Wahl der richtigen Kooperationsform soll sichergestellt werden, dass der Erfolg gerecht verteilt und das Haftungsrisiko so weit wie möglich beschränkt wird.

 

Erfahrungsaustauschgruppen (ERFAs)

In diesen Gruppen kommt es zu einem Austausch von Erfahrungen durch gelegentliche Zusammenkunft von Führungskräften der Unternehmen. In einer Erfahrungsaustauschgruppe teilen verschiedene Unternehmen ihre Kenntnisse und Erfahrungen in unterschiedlichen Bereichen oder speziell auch ihr Wissen über bestimmte Ländermärkte. Gerade auch internationale ERFAs werden häufig institutionell initiiert und gefördert (beispielsweise durch Wirtschaftskammern, Clusterverbände oder andere Organisationen). Dabei kommt es zu regelmäßigen, meist extern organisierten Treffen zu bestimmten Themen, an denen die Unternehmen teilnehmen, um Erfahrungen auszutauschen.

 

Klassische Außenhandelskooperationen

Unter den klassischen Außenhandelskooperationen werden sowohl Import- als auch Exportkooperationen verstanden. Importkooperationen findet man häufig in Form von Einkaufsgemeinschaften, in denen Unternehmen durch Bündelung der Einkäufe versuchen, Preisvorteile auf internationalen Beschaffungsmärkten zu erzielen. Des Weiteren gibt es Import- und Einkaufskartelle, in welchen Vereinbarungen bzw. Absprachen den gemeinsamen Einkauf betreffend getroffen werden.

Gerade für klein- und mittelständische Unternehmen, mit ihrer meist schwachen Kapital- und Ressourcenausstattung, ungenügenden Exporterfahrung bzw. nicht ausreichendem Produktportfolio, stellen Exportkooperationen eine sinnvolle Form der Markterschließung und -bearbeitung dar. Dabei kommen bei KMUs folgende Formen der Exportkooperationen am häufigsten vor:

 

Exportgemeinschaften:

Bei Exportgemeinschaften handelt es sich meist um Liefergemeinschaften, in welchen die Kooperationspartner Exportaufgaben entweder abwechselnd wahrnehmen oder an eine gemeinsame Gesellschaft übertragen. Die Exportaufgaben umfassen dabei entweder bestimmte Einzelleistungen, wie den Transport der Güter, den Kundendienst, die Lagerhaltung oder die Werbung (Exportgemeinschaft einfacher Stufe), oder aber die komplette Durchführung der Exportgeschäfte (Exportgemeinschaft höherer Stufe). Bei der Exportgemeinschaft höherer Stufe wird die komplette Abwicklung des Exportgeschäftes an eine gemeinsam getragene Exportgesellschaft übertragen.

 

Exportkartelle:

Unter Exportkartellen wird ein Zusammenschluss von Unternehmen verstanden, bei denen konkrete vertragliche Absprachen zwischen den Partnern für einzelne Auslandsmärkte oder Ländergruppen bestehen. Ziel ist es, durch die Zusammenarbeit einen Wettbewerbsvorteil auf ausländischen Märkten zu erzielen. Bei „reinen Exportkartellen“ beziehen sich diese Absprachen auf gemeinsame Preise (Preiskartelle), bestimmte Konditionen (Konditionenkartelle) sowie auf die Einhaltung bestimmter Normen und Typen (Normungs- und Typenkartelle). Zusätzlich kann es zu Absprachen über die Einhaltung bestimmter Vertriebswege und die Aufteilung von Ländermärkten kommen. Kartellabsprachen, die den Wettbewerb verzerren könnten, sind rechtlich meist unzulässig.

 

Huckepackexport (engl. piggyback exporting): 

Bei dieser sehr häufigen Form von Exportkooperationen, nutzen Unternehmen die Vertriebskanäle ihrer bereits im ausländischen Zielmarkt etablierten Kooperationspartner. Werden innerhalb einer Kooperation die jeweiligen vorhandenen Vertriebswege wechselseitig genutzt, spricht man von Tandem-Export.

 

Internationale Projektgemeinschaften bzw. Bietergemeinschaften

Unter internationalen Projektgemeinschaften werden Kooperationen verstanden, die zum Zwecke der Abwicklung eines Einzelprojektes gebildet werden und zeitlich klar begrenzt sind. Diese Form der internationalen Kooperation findet man meist im Investitionsgüterbereich, im Anlagenbau, in der Entwicklungs- und Infrastrukturförderung sowie im Bereich öffentlich geförderter F&E Projekte. Diese Kooperationen stellen gerade für kleine Unternehmen häufig die einzige Möglichkeit dar, an internationalen Ausschreibungen und Großprojekten teilzunehmen bzw. Fördermittel zu lukrieren.

Grundsätzlich können zwei Arten von Projektkooperationen unterschieden werden:

  • Ein Generalunternehmer übernimmt die Umsetzung eines Projektes von einem Auftraggeber und haftet dafür eigenverantwortlich. Er bestimmt eigenständig alle Aktivitäten, die im Projekt durchgeführt werden und verteilt einzelne Aufgaben an die Kooperationspartner.
  • Bei einer Konsortialstruktur arbeiten alle Kooperationspartner eigenverantwortlich unter der Leitung eines Konsortialführers zusammen. Die Haftung gegenüber Dritten wird gemeinsam von allen Kooperationspartnern übernommen.

Üblich ist die Zusammenarbeit in Form von Bietergemeinschaften, wenn sich kleinere Unternehmen gemeinsam für einen größeren Auftrag bewerben. Bekommt die Bietergemeinschaft den Auftrag, wird daraus eine ARGE (Arbeitsgemeinschaft), die zeitlich auf die Dauer des Projektes/Auftrag begrenzt ist und mit Ablauf der Gewährleistung endet. Die Gefahr besteht darin, dass, wenn ein Partner abspringt, es meist für den anderen Partner nicht möglich ist, den Auftrag alleine zu bewältigen.

 

Strategische Allianzen

Strategische Allianzen sind langfristige Unternehmenskooperationen, deren Ziel es ist, durch die Bündelung von Ressourcen gemeinsam einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz zu erzielen. In einer strategischen Allianz verpflichten sich die Kooperationspartner in für sie strategisch relevanten Geschäftsbereichen zusammenzuarbeiten, um dadurch eine Risikoteilung, größere Wettbewerbsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit aller beteiligten Partner zu erreichen. Es kommt zu einem gegenseitigen Austausch von Leistungen und Wissen. 

Beispiele für internationale strategische Allianzen sind: 

  • Die Volumenallianz, bei der die Kooperationspartner ihre Produkte so kombinieren und dadurch ihr Leistungsangebot vergrößern, dass dies zu Kostenersparnissen führt sowie eine verbesserte Bearbeitung des Auslandsmarktes erlaubt.
  • Die Markterschließungsallianz, deren Ziel es ist, durch die gemeinsame Nutzung von Ressourcen den Kooperationspartnern einen schnellen und effektiven Marktzutritt zu ermöglichen. 
  • Die Risikoteilungsallianz, bei der das Risiko, das häufig mit dem Eintritt auf neue Märkte verbunden ist, gemeinsam getragen wird und so für jeden Unternehmer leichter händelbar wird.

 

Joint Ventures

Unter einem Joint Venture wird ein von mehreren Unternehmen gegründetes Gemeinschaftsunternehmen verstanden, an welchem alle Kooperationspartner Kapitalanteile haben. Joint Ventures stellen die intensivste Form der Zusammenarbeit dar. Internationale Joint Ventures sind immer mit einer Direktinvestition der Kooperationspartner am Zielmarkt verbunden. Gerade auch in politisch sowie wirtschaftlich instabilen Ländern kann ein Markteintritt häufig nur durch eine Unternehmensgründung vor Ort erfolgen. 

 

Rechtliche Rahmenbedingungen

Unternehmenskooperationen in den oben erwähnten Formen werfen dabei häufig Fragen nach den rechtlichen Rahmenbedingungen auf. Dabei ist vor allem das Thema der Haftung ein für Unternehmen entscheidendes.

Rechtlich gesehen unterscheidet man dabei folgende Kooperationsarten:

 

Formlose Kooperationen (informelle oder offene Netzwerke)

Hierbei treten die Unternehmen nicht gemeinsam am Markt auf, Aufträge werden an ein einzelnes Unternehmen vergeben und es kommt zu keinem gemeinsamen Arbeiten an Projekten. Was allerdings häufig vorkommt ist eine Vergabe von Aufträgen an Subunternehmer.

Im engeren Sinne handelt es sich dabei jedoch eigentlich nicht um eine Kooperation, da die beiden Unternehmen dabei weder wirtschaftlich noch rechtlich ihre Selbständigkeit abgeben. Der beauftragte Subunternehmer wird dabei mit der Erstellung von Leistungen oder der Erbringung von Dienstleistungen beauftragt und stellt hierüber später eine Rechnung an den Auftraggeber. 

Auch bei der Kooperation in welcher es zu einer wirtschaftlichen Vermittlung von Aufträgen kommt (Vermittlungskooperation), handelt es sich tatsächlich nicht um eine echte Kooperation. Der eine Partner vermittelt Aufträge, für die es selbst gerade keine oder nicht genügend Kapazitäten hat, an einen anderen, vertraglich gebunden Partner. Der vermittelnde Partner ist dabei in das spätere Geschäft nicht involviert. Dies ermöglicht es beiden Seiten, die Kapazitäten optimal auszulasten und wirtschaftlich ungebunden agieren zu können.

Aufpassen muss man in dieser Hinsicht nur dann, wenn das Unternehmen Auftragnehmer bleibt, allerdings beispielsweise aus Kapazitätsengpassen die Ausführung dieses Auftrags an den Kooperationspartner weiter gibt (Subunternehmer). In diesem Fall, wenn das Unternehmen Auftragnehmer bleibt, ist es weiterhin für die Erfüllung des Auftrages haftbar d.h. gewährleistungs- und schadenersatzpflichtig. Dabei kann gegenüber dem Netzwerkpartner ebenfalls Rechtsansprüche z.B. Regress geltend gemacht werden.

 

Bieter- und Arbeitsgemeinschaften

Mehrere Unternehmen können sich relativ lose zusammenschließen und sich so um einen Auftrag bewerben. Diese Vorgehensweise wird bei öffentlichen Ausschreibungen im Baubereich oftmals gewählt. Sobald eine Bietergemeinschaft einen gemeinsamen Auftrag erhält, entsteht dadurch eine Arbeitsgemeinschaft. Diese entsteht für den Zeitraum der Auftragsausführung und ist in den meisten Fällen eine Gesellschaft nach bürgerlichem Recht. Dies gilt auch für die eventuellen Nachwirkungen aus diesem Vertragsverhältnis.

Es gilt daher, wenn sich Unternehmer zu einer Kooperation zusammenschließen und nach außen hin als ein Unternehmen auftreten, was durch einen gemeinsamen Marktauftritt, eine gemeinsame Website, gemeinsamen Werbeauftritten oder gemeinsamen Angeboten, aus denen eine rechtliche oder wirtschaftliche Trennung nicht deutlich hervorgeht, bereits abgeleitet werden könnte, könnte eine Gesellschaft nach bürgerlichem Recht bereits ihre Gründung erfahren haben. 

Es ist daher sinnvoll, für diesen ersten Fall einer tatsächlichen Kooperation, einen schriftlichen Vertrag aufzusetzen, da von der Gründung einer Gesellschaft nach bürgerlichem Recht rechtliche, steuerliche und wirtschaftliche Verbindungen ausgehen, die die Kooperationspartner binden und beeinflussen können.

 

Kooperation  in einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts

Unabhängig davon, die die Kooperation von den Unternehmen bezeichnet wird, ist in der Regel von einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts auszugehen. Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts hat keine eigene Rechtspersönlichkeit, was bedeutet, dass nicht die Gesellschaft, sondern die einzelnen Mitglieder sind Träger aller Rechte und Pflichten. Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts ist ein auf Dauer angelegtes Schuldverhältnis zwischen den Gesellschaftern. Zweck der Gesellschaft bürgerlichen Rechts ist nicht der Austausch von Leistungen zwischen den Mitgliedern, sondern dass die unterschiedlichen Beiträge (Geld, Know-How, Nutzungsrechte, Arbeitsleistung, etc) einem gemeinsamen Zweck gewidmet werden, wie dies beispielsweise bei einer Arbeitsgemeinschaft der Fall ist. Obwohl für die Gründung einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts keine gesetzlichen Formvorschriften bestehen (eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts  könnte auch mündlich gegründet werden), empfiehlt es sich immer, die getroffenen Vereinbarungen schriftlich in einem Vertrag festzuhalten.

Grundsätzlich haftet das gesamte Gesellschaftsvermögen der Kooperationspartner. Reicht das Vermögen zur vollständigen Befriedigung der Gläubiger nicht aus, so haften die Gesellschafter unbeschränkt mit ihrem Privatvermögen. Die herrschende Rechtsprechung geht generell von einer Solidarhaftung aus.

 

Kooperation in einem Kooperationsvertrag

Möglich ist es auch, eine Kooperation mit einem langfristigen Rahmenvertrag, der die grundsätzlichen Spielregeln für die Zusammenarbeit festlegt zu regeln. Andererseits kann auch jeweils im Einzelfall ein Geschäftspartner gesucht werden. Wie dieses Kooperationsverhältnis rechtlich zu beurteilen ist, hängt von Einzelfall ab. Wird gemeinsam ein Auftrag übernommen, entsteht in der Regel eine GesbR (siehe oben) Wird ein Teil des eigenen Auftrags im Rahmen eines Werkvertrags an einen anderen Unternehmer weitergegeben, entsteht ein Subunternehmer-Verhältnis. Bei einem solchen Vertrag handelt es sich um ein Zielschuldverhältnis. Ein Vertragspartner verpflichtet sich zur Herstellung eines bestimmten Erfolges und nicht bloß zu einem Bemühen um einen Erfolg.

Der Werkunternehmer kann auch Erfüllungsgehilfen heranziehen. Ist als zu lieferndes Werk eine Erfindung oder eine sonstige geistig-kreative Leistung, ein Logo, ein Design, ein Slogan, ein Software-Programm oder eine ähnliche Leistung geschuldet, so sollte jedenfalls dringend abzuklären, wer das geistige Eigentum verwerten darf und wer für etwaige Folgekosten aufkommt.

 

Kooperation in einem Joint Venture

Eine Kooperation kann auch durch die gemeinsame Gründung eines neuen Unternehmens geschehen. Bei Bedarf können die früheren Firmen beider Partner bestehen bleiben, aber sie können auch in das neue Unternehmen eingebracht werden. Es handelt sich dann dabei rechtlich um ein selbständiges Unternehmen, das mit allen üblichen rechtlichen Folgen gegründet wird und theoretisch jede mögliche Rechtsform annehmen kann. 

Das Joint Venture als Unternehmen in der gewählten Rechtsform genießt als vollständiges Unternehmen mit geregelten Haftungsverhältnissen den höchsten Organisationsgrad als Kooperationsform unter den gegeben Umständen. Die Partner verständigen sich darauf, bestimmte Ziele zu verwirklichen, und so Synergien und Kostenersparnisse zu nutzen, oder andere Ziele zu verwirklichen. 

Grundsätzlich kann man dabei das  Equity Joint Venture, bei dem es sich um eine rechtlich selbstständige gemeinsame Unternehmung zweier oder mehrere Partner mit Kapitalbeteiligung handelt, vom Contractual Joint Venture unterscheiden. Beim Equity Joint Venture sind die Partnerunternehmen jeweils mit Kapital beteiligt, tragen gemeinsam das finanzielle Risiko der Investition und nehmen Führungsfunktionen im gemeinsamen Unternehmen wahr. Die Kapitalbeteiligung der Partnerunternehmen kann unterschiedlich hoch sein. Beim Contractual Joint Venture hingegen wird kein Gemeinschaftsunternehmen gegründet, sondern es bestehen lediglich Vertragsbeziehungen, die Kosten-, Risiko- und Gewinnverteilung regeln. Sobald die Partner oder das Joint Venture und die Partner aus unterschiedlichen Staaten stammen, handelt es sich um ein internationales Joint Venture.

Wichtig:
Welche Form der Kooperation geeignet zur Erreichung des Kooperationszwecks ist, bestimmt der definierte Zweck der Kooperation im Rahmen der rechtlichen und wirtschaftlichen Vorgaben. Eine pauschale Beantwortung sämtlicher rechtlicher Vor- und Nachteile der einzelnen Kooperationsformen ist, verständlicher Weise, nicht möglich.
Welche Form der Kooperation, und in welcher Form der Detaillierung dies ausgeprägt werden soll, kann nicht pauschal beantwortet werden. Die Vielfalt der Kooperationsformen zeigt bereits die Vielfalt der Kooperationen in der Praxis. Es ist genau zu überlegen, welche Haftungsverhältnisse erforderlich oder vertretbar sind, welche Ziele mit der Kooperation verfolgt werden, wie lange diese bestehen soll und wie Entscheidungen getroffen werden sollen. Anhand dieser Informationen kann die grundlegende Kooperationsform gewählt werden, die am besten zur zu bewältigenden Situation passt.

Gründung eines gemeinsamen Unternehmens – Besonderheiten Kärnten/Slowenien

Grundsätzlich ist es lediglich für vertragliche Kooperationen mit Kapitalbeteiligung (Joint Ventures) notwendig zu entscheiden, welche Gesellschaftsform das neue Unternehmen aufweist und in welchem Land dieses operieren soll.
Das slowenische und das österreichische Gesellschaftsrecht sind sich sehr ähnlich. Ein Unterschied ist jedoch, dass in Slowenien alle Gesellschaften den Status einer juristischen Person haben. 95% aller Unternehmen in Slowenien haben die Form einer GmbH (Družba omejeno odgovornostjo d.o.o.). In Slowenien ist das Gesellschaftsrecht zumeist im Gesetz über die Wirtschaftsgesellschaften (GWG) geregelt.
Rechtsform in Österreich
Rechtsform in Slowenien
Aktiengesellschaft (AG)
Delniška družba (d.d.)
Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)
Družba z omejeno odgovornostjo (d.o.o.)
Kommanditgesellschaft (KG)
Komanditna družba (k.d.)
Offene Gesellschaft (OG)
Družba z neomejeno odgovornostjo (d.n.o)
Einzelunternehmen (EU)
Samostojni podjetnik (s.p.)
Wirtschaftliche Interessensgemeinschaft
Gosopdarsko interesno združenje (g.i.z.)
Tabelle: Vergleich Rechtsformen Österreich Slowenien
Alle Gesellschaften des GWG sind mit Abschluss des Gesellschaftsvertrages in das öffentliche Firmenregister einzutragen. Bei der Eintragung muss dabei eine ausführliche Beschreibung der Firmentätigkeit erfolgen. Im Gegensatz zu Österreich dürfen die Gesellschaften ihre Tätigkeit erst nach der Eintragung im Firmenregister aufnehmen. In Österreich ist das Firmenbuch öffentlich. Es gilt das Eintragungsprinzip, d. h. alle relevanten Informationen, wie Sitz der Unternehmung, Gesellschaftsvertrag, Änderungen der Geschäftsführer, Stammkapital usw. müssen im Firmenbuch eingetragen und angemeldet werden, die Tätigkeit kann aber bereits zuvor aufgenommen werden.
Für die Entscheidung zwischen Kapitalgesellschaft einerseits und Einzelunternehmen bzw. Personengesellschaft andererseits spielen neben rechtlichen und steuerlichen Aspekten auch andere Aspekte, die in der Person der Unternehmer zu suchen sind, eine große Rolle.
Nachdem nicht nur die Gesellschaftsform und der Standort die Wahl der Organisation und örtliche Lage einer Kooperation bestimmen, empfiehlt es sich in jedem Fall zuerst den Zweck der Kooperation unter den Partner festzulegen, und anhand dieser Entscheidung die örtliche Lage und die dort günstigste Organisationsform zu wählen. Neben persönlichen Präferenzen spielen auch örtliche Förderungen eine Rolle, die an die Niederlassung einer Kooperation gebunden sind.
Erst nach Evaluierung sämtlicher Ziele der Kooperation, unter Bezugnahme auf Förderungen und die daran gebunden Auflagen, sollte, unter detaillierter rechtlicher Beratung die örtliche Situierung der Unternehmung der Kooperation festgelegt werden. Dabei können auch persönliche Präferenzen eingebunden werden.
In der nachstehenden Tabelle sind die häufigsten Unternehmensformen, die in Österreich und Slowenien gängig sind, gegenübergestellt. Im slowenischen Gesellschaftsrecht stehen grundsätzlich dieselben Unternehmensformen wie im österreichischen Gesellschaftsrecht zur Verfügung, die jedoch im Einzelfall durch kleine Unterschiede geprägt sind:
Slowenien
Österreich
Gesellschaft mit beschränkter Haftung GmbH (Družba z omejeno odgovornostjo – d.o.o.)
Diese kann von einer oder maximal fünfzig natürlichen oder juristischen Personen errichtet werden. Die Gesellschaft haftet den Gläubigern nur mit ihrem Gesellschaftsvermögen. Das Stammkapital muss mindestens € 7.500,00, die Stammeinlage jedes Gesellschafters dabei € 50,00 betragen. Die Stammeinlage kann als Bareinlage oder in der Form der Sacheinlage bzw. Sachübernahme eingebracht werden.
Die GmbH kann praktisch für alle Zwecke gegründet werden und ist die am weitesten verbreitete Gesellschaftsform in Österreich. Die GmbH ist eine juristische Person und hat eigene Rechtspersönlichkeit, das heißt sie kann Rechte erwerben, Verbindlichkeiten eingehen sowie klagen und geklagt werden. Für die Gründung der GmbH ist der Abschluss eines Gesellschaftsvertrags (Notariatsakt) erforderlich. Die GmbH entsteht als Rechtssubjekt mit der Eintragung in das Firmenbuch. Stammeinlage ist, bei gründungsprivilegierten Gesellschaften, von € 35.000,00, reduziert auf € 10.000,00, und muss jeweils zur Hälfte, als Eintragungsvoraussetzung, einbezahlt werden.
Das bedeutet, dass seit 1.3.2014 das Gründungsprivileg in Anspruch genommen werden kann: Das führt in der Praxis dazu, dass die Gesellschafter (trotz des nominellen Stammkapitals von € 35.000,-) innerhalb der ersten 10 Jahre ab Eintragung in das Firmenbuch höchstens € 10.000,- auf die Gesellschaft einzuzahlen haben. Das gilt auch für den Fall, dass ein Insolvenzverfahren eröffnet wird. Über die Stammeinlage hinaus haften die Gesellschafter nicht für die Verbindlichkeiten der Gesellschaft.
Einzelunternehmer
Ein Selbständiger kann sich als Einzelunternehmer wirtschaftlich betätigen. Ein Mindestkapital ist gesetzlich nicht vorgeschrieben. Der Einzelunternehmer haftet für Verbindlichkeiten mit seinem gesamten Vermögen. Die Registrierung erfolgt in Slowenien nach dem so genannten „one-stop-shop“ Prinzip, wobei nur eine Behörde als Ansprechpartner fungiert.
Ein Selbständiger kann sich als Einzelunternehmer wirtschaftlich betätigen. Ein Mindestkapital ist gesetzlich nicht vorgeschrieben. Der Einzelunternehmer haftet für Verbindlichkeiten mit seinem gesamten Vermögen. In Österreich sind für die Anmeldung der Tätigkeit mehrere Schritte erforderlich.
Abhängig von der Tätigkeit, ob diese reguliert ist oder nicht, sind diverse Registrierungs- und Anmeldungsschritte erforderlich.
Zweigniederlassungen
Ausländische Unternehmen können eine gewinnorientierte Tätigkeit im Bereich der Republik Slowenien auch über Zweigniederlassungen durchführen. Der ausländische Anteil an einer slowenischen Gesellschaft kann bis zu 100 Prozent betragen.
Ausländische Unternehmen können eine gewinnorientierte Tätigkeit im Bereich der Republik Österreich auch über Zweigniederlassungen durchführen. Der ausländische Anteil an einer österreichischen Gesellschaft kann bis zu 100 Prozent betragen.
Wichtig:
Die Tabelle berücksichtigt nur die gängigsten Unternehmensformen und lässt Sonderkonstellationen, die oft aus steuerlichen Gründen gewählt werden, nicht berücksichtigt. Für detaillierte Beschreibungen und eine detaillierte Beratung sollte man, nachdem die grundsätzliche Entscheidung des Standortes und der Unternehmensform gefallen ist, fachkundige Berater konsultieren.
Literatur
Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (2003): Gemeinsam stärker. Kooperationen planen und durchführen. Url: http://regiosuisse.sswm.info/sites/default/files/bmwa_kooperation.pdf [abgerufen am 30.1.2013].
Büter, C. (2003): Außenhandel: Grundlagen globaler und innergemeinschaftlicher Handelsbeziehungen. 2. Aufl. Berlin/Heidelberg.
Büter, C. (2010): Internationale Unternehmensführung: Entscheidungsorientierte Einführung. München.
Perlitz, M., & Seger, F. (2003): Internationalisierung durch Kooperation. In: Zentes, J., Swoboda, B., Morschett, D. (Hrsg.): Kooperation, Allianzen und Netzwerke: Grundlagen-Ansätze-Perspektiven. Wiesbaden, 515-542.
Wirtschaftskammer Wien (o.J.): Kooperation bringt‘s. Url: http://www.kooperationbringts.at/index.html [abgerufen am 15.05.2013].